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Husqvarna 585 Kettensäge Testbericht

Der Wald verzeiht keine Schwäche. Wer jemals im tiefen Forst vor einer jahrhundertealten Eiche stand, deren Stammumfang die eigene Armreichweite bei weitem übersteigt, weiß, dass in diesem Moment nur zwei Dinge zählen: die eigene Erfahrung und die bedingungslose Zuverlässigkeit der Maschine in den Händen. Hier geht es nicht um Spielerei oder glänzende Gehäuse. Hier geht es um Drehmoment, Standfestigkeit und die Fähigkeit, Stunde um Stunde durch massives Hartholz zu beißen, ohne dass die Drehzahl in die Knie geht. Die Husqvarna 585 tritt in ein Erbe an, das schwerer kaum sein könnte. Als moderner Nachfolger der legendären 390 XP muss sie beweisen, dass sie den Spagat zwischen traditioneller Technik und modernster Ingenieurskunst beherrscht. Es ist die Antwort auf die Frage, ob man im digitalen Zeitalter noch eine Profi-Säge braucht, die auf bewährte Mechanik setzt, statt sich rein auf Mikrochips zu verlassen.

Stellen Sie sich vor, die Kette berührt die Rinde, die Späne fliegen in einem konstanten Strom und der Sound des 86-Kubikzentimeter-Motors füllt die Lichtung. Es ist dieses spezifische Feedback, das Profis suchen. Die 585 ist kein Leichtgewicht für den heimischen Garten, sie ist ein Werkzeug für das Grobe, für das Unnachgiebige. Sie ist für Männer und Frauen gebaut, die ihr Brot damit verdienen, Bäume zu fällen, die andere nur aus Dokumentationen kennen. In diesem ausführlichen Testbericht schauen wir uns an, ob die Husqvarna 585 den hohen Erwartungen im Starkholz-Einsatz gerecht wird oder ob sie lediglich ein Schatten ihrer Vorgänger ist.

Warum entscheidet sich ein Hersteller heute noch für einen manuell einstellbaren Vergaser, wenn die gesamte Branche in Richtung AutoTune und elektronische Einspritzung drängt? Die Antwort liegt in der rauen Realität der täglichen Forstarbeit begründet. Es gibt Orte, an denen kein Techniker mit einem Laptop wartet, und genau dort fühlt sich die 585 zu Hause. Sie ist eine Einladung an alle, die ihr Werkzeug noch selbst verstehen und im Griff haben wollen. Werfen wir einen Blick auf die Details, die diese Maschine zu einem potenziellen Klassiker der Moderne machen.

Der Motor als Herzstück: Rohe Gewalt trifft auf moderne Effizienz

Das Herz der Husqvarna 585 ist zweifellos der neu entwickelte 86-ccm-Motor. Mit einer Leistung von 5,1 kW (ca. 6,9 PS) spielt sie in der obersten Liga der Serien-Motorsägen mit. Doch pure PS-Zahlen sind im Wald oft nur die halbe Wahrheit. Viel entscheidender ist der Drehmomentverlauf. Die X-Torq-Technologie von Husqvarna sorgt dafür, dass die Säge bereits im mittleren Drehzahlbereich eine enorme Durchzugskraft entwickelt. Das ist besonders beim Ablängen von dicken Stämmen spürbar, wenn der Widerstand des Holzes variiert. Die Säge frisst sich regelrecht durch die Fasern, ohne dass der Anwender permanent mit dem Gas spielen muss, um die Kette auf Geschwindigkeit zu halten.

Ein bemerkenswerter Aspekt der X-Torq-Technologie ist die Reduzierung der Emissionen bei gleichzeitig geringerem Kraftstoffverbrauch. In einem Arbeitstag, der oft acht bis zehn Stunden dauert, summiert sich die Ersparnis beim Benzin merklich. Noch wichtiger ist jedoch die Reduzierung der Abgase im direkten Arbeitsumfeld des Sägeführers. Wer den ganzen Tag im Abgasstrom steht, weiß die sauberere Verbrennung zu schätzen. Der Motor reagiert zudem extrem spritzig auf Gasbefehle. Trotz des großen Hubraums beschleunigt die Kette fast so aggressiv wie bei einer kleineren 60-ccm-Säge, was die Entastungsarbeiten an mächtigen Kronen erheblich erleichtert.

Die Kühlleistung wurde im Vergleich zu älteren Modellen massiv verbessert. Das neue Design der Zylinderrippen und das optimierte Lüfterrad sorgen dafür, dass die Maschine auch bei hohen Außentemperaturen und maximaler Belastung nicht überhitzt. In Praxistests zeigt sich, dass die 585 selbst nach mehreren aufeinanderfolgenden Fällungen von Starkholz keine Anzeichen von Leistungsabfall durch Hitzeeinwirkung zeigt. Das Gehäuse ist so konstruiert, dass der Luftstrom gezielt an den kritischen Komponenten vorbeigeführt wird, was die Lebensdauer des Motors langfristig sichern dürfte. Es ist diese Kombination aus Kraftreserven und thermischer Stabilität, die dem Anwender die nötige Sicherheit gibt.

Die Philosophie des manuellen Vergasers: Freiheit für den Profi

In einer Welt, in der fast jedes neue Gerät mit Software ausgestattet ist, wirkt die Entscheidung für einen klassischen Nadelvergaser bei der Husqvarna 585 fast schon provokant. Während das Schwestermodell 592 XP auf das elektronische AutoTune 3.0 setzt, bleibt die 585 der Mechanik treu. Doch das ist kein Sparzwang, sondern ein gezieltes Feature für eine bestimmte Zielgruppe. Forstarbeiter in entlegenen Regionen oder Anwender, die Wert auf absolute Eigenständigkeit legen, bevorzugen oft die Möglichkeit, ihre Säge mit einem einfachen Schraubendreher selbst auf unterschiedliche Höhenlagen, Temperaturen oder Kraftstoffqualitäten einzustellen.

Die Einstellung des Vergasers erfolgt über die klassischen L- und H-Schrauben. Das bedeutet, dass ein erfahrener Nutzer die Säge exakt auf seine Bedürfnisse und die jeweilige Umgebung abstimmen kann. Wenn Sie morgens bei frostigen Temperaturen in den Bergwald fahren und mittags in der prallen Sonne arbeiten, können Sie die Gemischaufbereitung in Sekunden anpassen. Es gibt keine Sensoren, die verschmutzen könnten, und keine Elektronik, die bei extremer Feuchtigkeit ausfällt. Diese Einfachheit ist eine Form von Zuverlässigkeit, die im professionellen Bereich oft höher bewertet wird als maximale Automatisierung.

Trotz der manuellen Einstellbarkeit startet die 585 erstaunlich zuverlässig. Das Kaltstartverhalten ist dank des optimierten Choke-Systems vorbildlich. Meist reicht ein kurzer Zug am Starterseil, nachdem der Widerstand spürbar wurde, und der Motor erwacht mit einem satten Grollen zum Leben. Im warmen Zustand genügt oft ein halber Zug. Für den Anwender bedeutet das weniger Energieverlust beim Starten und mehr Fokus auf die eigentliche Arbeit. Wer die Kunst des Vergaser-Tunings beherrscht, wird mit einer Maschine belohnt, die genau so läuft, wie man es sich vorstellt – ohne dass ein Algorithmus dazwischenfunkt.

Ergonomie und Handling: Wenn 7,5 Kilogramm handlich werden

Man muss ehrlich sein: Eine Säge mit 86 ccm ist kein Spielzeug und mit einem Trockengewicht von 7,5 kg (ohne Schneidgarnitur) fordert sie den Körper. Doch das Entscheidende ist nicht das absolute Gewicht, sondern wie dieses Gewicht verteilt ist. Husqvarna hat viel Arbeit in die Gewichtsverteilung und die Schlankheit des Gehäuses investiert. Die 585 fühlt sich in den Händen deutlich agiler an, als man es von einer Maschine dieser Leistungsklasse erwarten würde. Der Abstand zwischen den Griffen ist optimal gewählt, was eine präzise Führung bei Fällschnitten und beim präzisen Einstechen ermöglicht.

Ein Schlüsselelement für langes, ermüdungsfreies Arbeiten ist das LowVib-System. Die Entkoppelung des Motors vom Griffgehäuse durch Stahlfedern funktioniert bei der 585 exzellent. Selbst wenn die Kette unter Volllast im Hartholz arbeitet, kommen nur minimale Vibrationen bei den Händen des Nutzers an. Das schützt nicht nur vor der Weißfingerkrankheit, sondern sorgt auch dafür, dass man nach einem langen Arbeitstag nicht mit zitternden Händen nach Hause geht. Die Ergonomie wird durch den schmalen Körper der Säge unterstützt, der es erlaubt, die Maschine nah am Körper zu führen, was die Hebelwirkung auf den Rücken verringert.

Der vordere Handgriff ist robust und bietet auch mit dicken Winterhandschuhen einen sicheren Halt. Die Schaltereinheit ist intuitiv bedienbar, und der kombinierte Start-/Stopp-Schalter verhindert das Absaufen des Motors beim Ausschalten – ein kleines, aber feines Detail, das den Workflow verbessert. Wer oft in schwierigem Gelände oder in unnatürlichen Körperhaltungen sägen muss, wird die Balance der 585 schätzen. Ob waagerechter Fällschnitt oder senkrechtes Ablängen: Die Säge neigt nicht dazu, unangenehm wegzuhebeln, sondern bleibt stabil in der Spur. Das gibt dem Anwender die volle Kontrolle über das Schwert, auch wenn es 70 oder 90 Zentimeter lang ist.

Wartungsfreundlichkeit und Langlebigkeit unter Extrembedingungen

Ein Werkzeug für Profis muss so konstruiert sein, dass Wartungsarbeiten die Einsatzzeit nicht unnötig verkürzen. Die Husqvarna 585 glänzt hier mit einem durchdachten Design. Das Air Injection System ist ein Highlight: Es nutzt die Zentrifugalkraft des Lüfterrads, um größere Staub- und Schmutzpartikel auszusortieren, bevor sie überhaupt den Luftfilter erreichen. Das Ergebnis sind extrem lange Reinigungsintervalle. Während man bei älteren Modellen vielleicht zweimal täglich den Filter ausklopfen musste, hält die 585 unter normalen Bedingungen oft mehrere Tage ohne Leistungseinbußen durch. Das spart wertvolle Zeit im Wald.

Der Zugang zum Luftfilter und zur Zündkerze erfolgt über Schnellverschlüsse am Gehäusedeckel, die sich auch mit Handschuhen oder einem Kombischlüssel leicht öffnen lassen. Das Innere der Maschine wirkt aufgeräumt und hochwertig. Alle Komponenten, vom Magnesium-Kurbelgehäuse bis hin zu den robusten Lagern, sind auf maximale Beanspruchung ausgelegt. Es ist keine Maschine, die nach zwei Saisons verschlissen ist; sie ist als langjähriger Begleiter konzipiert. Die seitliche Kettenspannung ist gut erreichbar und stabil ausgeführt, was den täglichen Umgang erleichtert.

Besonders hervorzuheben ist das Tankdesign. Die transparenten Sichtfenster erlauben eine schnelle Kontrolle des Füllstands von Kraftstoff und Kettenöl, ohne den Tankverschluss öffnen zu müssen. Die Flip-up-Tankdeckel lassen sich auch bei Kälte oder mit klebrigen Handschuhen sicher bedienen und fest verschließen. Diese Summe an kleinen, praxisorientierten Lösungen zeigt, dass Husqvarna auf das Feedback von Forstwirten gehört hat. Eine Säge ist nur so gut wie ihre Verfügbarkeit, und die 585 minimiert die Standzeiten durch eine Konstruktion, die Fehlerquellen reduziert und die Wartung zum Kinderspiel macht.

Praxistest: Starkholz-Fällung und die Synergie mit der X-Cut Kette

Grau ist alle Theorie – entscheidend ist der Schnitt im Holz. Für den Test wurde die 585 mit einer 60-cm-Schiene und der Husqvarna X-Cut Kette bestückt. Das Ziel: Eine Buche mit einem Brusthöhendurchmesser von 75 Zentimetern. Schon beim ersten Schnitt, dem Fallkerbdach, zeigt die Säge ihre Präzision. Die Visierlinien am Gehäuse sind dauerhaft eingeprägt und helfen dabei, die Fällrichtung exakt zu bestimmen. Die Kraft beim Einstechen für den Haltebandschnitt ist beeindruckend. Ohne merkliches Ruckeln oder Tanzen der Spitze zieht sich das Schwert in den Stamm.

Während des eigentlichen Fällschnitts wird die Dominanz der 86 ccm deutlich. Selbst als das gesamte Schwert im Holz versenkt ist, bleibt die Kettengeschwindigkeit stabil. Es gibt kein Quälen des Motors. Die X-Cut Kette spielt hier ihre Stärken voll aus: Sie ist ab Werk extrem scharf und behält diese Schärfe auch bei Kontakt mit verschmutzter Rinde länger als Standardketten. Die Spanabfuhr ist exzellent, was ein Verstopfen des Kettenraddeckels verhindert. Es entsteht ein flüssiger, fast meditativer Arbeitsrhythmus, bei dem man sich voll auf die Sicherheit und die Umgebung konzentrieren kann, weil man der Maschine blind vertraut.

Beim anschließenden Ablängen der massiven Stammstücke zeigt die 585 ihre Ausdauer. Ein Schnitt nach dem anderen, ohne Pause – die Kühlung arbeitet effektiv, der Sound bleibt kernig und gesund. Man merkt, dass die Säge für Schienenlängen bis zu 90 cm (36 Zoll) ausgelegt ist. Mit der 60-cm-Schiene ist sie fast schon unterfordert und bietet massive Reserven für noch größere Kaliber. Das Handling beim Drehen der Säge für Entastungsarbeiten an den dicken Ansätzen der Hauptäste ist dank der guten Balance überraschend einfach. Die 585 ist ein Arbeitstier, das mit zunehmender Schwierigkeit der Aufgabe erst richtig zur Hochform aufläuft.

Wirtschaftlichkeit und Fazit der Einsatzgebiete

Die Anschaffung einer Profi-Säge in dieser Klasse ist eine Investition. Umso wichtiger ist die Frage nach der Rentabilität. Die Husqvarna 585 punktet hier durch zwei Faktoren: Langlebigkeit und Effizienz. Durch den geringeren Kraftstoffverbrauch der X-Torq-Technologie und die robuste Bauweise, die teure Reparaturen minimiert, amortisieren sich die Anschaffungskosten über die Lebensdauer der Maschine. Sie ist kein Werkzeug für den gelegentlichen Brennholz-Säger, sondern eine Maschine für den täglichen, harten Einsatz in der professionellen Forstwirtschaft oder für Baumpflegebetriebe, die regelmäßig große Fällungen durchführen.

Im Vergleich zur 592 XP bietet die 585 einen preislichen Vorteil und die Sicherheit der manuellen Technik. Wer keine Angst vor einem Schraubendreher hat und die volle Kontrolle über seine Maschine schätzt, findet in der 585 das ehrlichere Werkzeug. Sie ist die ideale Wahl für Regionen mit extremen klimatischen Bedingungen oder für Anwender, die schlichtweg eine Abneigung gegen zu viel Elektronik im Wald haben. Ihre Stärke liegt in der Kontinuität – sie liefert Tag für Tag die gleiche, hohe Leistung ab, ohne Murren und ohne Komplikationen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Husqvarna 585 mehr als nur ein Ersatz für die 390 XP ist. Sie ist eine Weiterentwicklung, die den Charakter der alten Schule bewahrt hat, aber bei Performance und Ergonomie zwei Schritte nach vorne macht. Wer im Starkholz arbeitet, braucht eine Verlängerung seines Willens aus Stahl und Chrom, und genau das liefert diese Säge. Sie ist kräftig, sie ist laut, sie ist unermüdlich. Ein echtes Statement in einer zunehmend digitalisierten Welt.

Wenn die Sonne hinter den Gipfeln verschwindet und der Wald in die Stille zurückkehrt, zählt nur das Ergebnis des Tages. Mit der Husqvarna 585 an der Seite ist dieses Ergebnis meist durch einen ordentlichen Stapel perfekt geschnittenen Holzes und ein gutes Gefühl in den Schultern definiert. Es ist keine Maschine, die man besitzt, sondern ein Partner, mit dem man arbeitet. Wer bereit ist, die rohe Kraft von 86 Kubikzentimetern zu bändigen, wird mit einer Souveränität belohnt, die man bei kleineren Sägen vergeblich sucht. Der nächste Riese wartet schon – und mit der 585 in der Hand ist man bereit, ihm zu begegnen.

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