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Stihl MS 660 Magnum Spezifikationen

Der Wald verzeiht keine Schwäche. Wenn die massiven Stämme von Eichen oder Buchen vor einem liegen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, braucht es mehr als nur eine einfache Säge. Es braucht eine Legende. Die Stihl MS 660 Magnum ist genau dieses Werkzeug, das in der Welt der professionellen Forstarbeit einen fast heiligen Status genießt. Wer sie einmal gestartet hat und das tiefe Grollen des 91,6 Kubikzentimeter Motors spürt, weiß, dass dies kein Gerät für den Hobbygärtner ist. Es ist eine Maschine, die für das Extreme gebaut wurde, für den Starkholzeinschlag, bei dem jedes Gramm Gewicht und jede Pferdestärke über den Erfolg des Arbeitstages entscheidet.

Hinter der robusten Fassade verbirgt sich eine Ingenieursleistung, die auch Jahre nach dem Erscheinen dieses Modells Maßstäbe setzt. Während moderne Sägen oft mit Elektronik und Sensoren überfrachtet sind, steht die MS 660 für rohe, mechanische Perfektion. Sie ist das Arbeitstier, auf das man sich verlassen kann, wenn man meilenweit vom nächsten Dorf entfernt im tiefen Forst steht. In diesem ausführlichen Blick auf die Spezifikationen schauen wir uns an, warum diese Säge trotz ihrer Nachfolger immer noch die erste Wahl für viele Profis weltweit ist und was sie technisch so einzigartig macht.

Die Faszination für die Magnum-Serie von Stihl rührt nicht nur von der schieren Kraft her, sondern von der Balance, die die Entwickler gefunden haben. Es ist eine Gratwanderung zwischen maximaler Leistung und einer Ergonomie, die es dem Forstwirt ermöglicht, auch nach acht Stunden Arbeit noch präzise Schnitte zu setzen. Wer verstehen will, warum die MS 660 so geschätzt wird, muss tief in die technischen Details blicken, die weit über einfache PS-Zahlen hinausgehen. Es geht um Materialkunde, Strömungsdynamik im Zylinder und eine Zuverlässigkeit, die unter extremen Witterungsbedingungen getestet wurde.

Die Kraftquelle: Hubraum und Motorleistung der MS 660

Das Herzstück der Stihl MS 660 Magnum ist zweifellos ihr Einzylinder-Zweitaktmotor. Mit einem Hubraum von exakt 91,6 cm³ gehört sie zur absoluten Oberklasse der handgeführten Motorsägen. Diese Größe ist notwendig, um die gewaltige Leistung von 5,2 kW zu generieren, was umgerechnet etwa 7,1 PS entspricht. Man muss sich das kurz vor Augen führen: In einer Maschine, die man mit den Händen führt, arbeitet die Kraft eines kleinen Motorrollers. Diese Leistung wird bei einer Nenndrehzahl von etwa 9.500 Umdrehungen pro Minute erreicht, während die Maximaldrehzahl ohne Last bei beeindruckenden 13.000 U/min liegt.

Die Drehmomentkurve dieses Motors ist so optimiert, dass auch bei vollem Versenken der Schiene im Hartholz die Drehzahl nicht sofort in den Keller geht. Das ist der entscheidende Vorteil der MS 660 Magnum. Wo kleinere Sägen kapitulieren oder mühsam freigeschnitten werden müssen, frisst sich die 660er mit einer stoischen Gelassenheit durch das Holz. Das Verhältnis von Gewicht zu Leistung beträgt hier etwa 1,4 kg pro kW. Das klingt im ersten Moment nach viel, aber wenn man die Stabilität und die thermische Belastbarkeit des Motors berücksichtigt, ist dies ein Spitzenwert für eine Säge dieser Hubraumklasse.

Ein oft übersehenes Detail in den Spezifikationen ist die Beschichtung der Zylinderlaufbahn. Stihl setzt hier auf Nikasil, eine Nickel-Silizium-Karbid-Beschichtung, die extrem verschleißfest ist und eine hervorragende Wärmeableitung bietet. Das ist besonders wichtig, wenn die Säge im Sommer bei hohen Temperaturen unter Volllast läuft. Ein Kolbenfresser ist bei korrekter Gemischeinstellung und hochwertigem Öl bei dieser Maschine nahezu ausgeschlossen. Das Gehäuse selbst besteht aus einer hochwertigen Magnesium-Druckguss-Legierung, die leicht und gleichzeitig extrem verwindungssteif ist, um die enormen Kräfte des Motors sicher aufzunehmen.

Präzision in der Führung: Schienenlängen und Schneidgarnituren

Kraft ohne Kontrolle ist nutzlos, und bei einer Säge wie der MS 660 wird diese Kontrolle durch die Schneidgarnitur definiert. Standardmäßig wird die MS 660 oft mit Schienenlängen zwischen 50 cm und 63 cm ausgeliefert, aber das ist erst der Anfang. Durch die hohe Ölpumpenleistung ist diese Maschine in der Lage, Führungsschienen von bis zu 90 cm oder in speziellen Fällen sogar über einen Meter Länge zu führen. Das macht sie zur idealen Säge für das Fällen von extrem starken Bäumen oder für den Einsatz in mobilen Sägewerken, den sogenannten „Alaskan Mills“.

Die Kettenteilung beträgt bei dieser Leistungsklasse üblicherweise .404 Zoll. Dies ist eine massivere Kette als die im Semiprofi-Bereich üblichen 3/8 Zoll Ketten. Die .404er Kette hat größere Schneidzähne und stärkere Treibglieder, was bei der enormen Zugkraft der MS 660 notwendig ist, um Kettenrisse zu vermeiden und eine hohe Standzeit der Schärfe zu gewährleisten. Die Treibglieddicke liegt meist bei 1,6 mm, was für die nötige Stabilität in der Nut der Führungsschiene sorgt, selbst wenn beim Fällschnitt enorme Hebelkräfte auf das Schwert wirken.

Ein technisches Highlight ist das Stihl Ematic-System. Es sorgt dafür, dass das Kettenhaftöl genau dorthin gelangt, wo es gebraucht wird: an die Laufflächen der Kettenglieder und die Schienennut. Durch eine spezielle Konstruktion der Schiene und der Ölpumpe wird der Ölverbrauch um bis zu 50 % reduziert. Bei einer Säge dieser Größe, die pro Tankfüllung Benzin ordentlich Öl verbraucht, ist das nicht nur ein ökologischer Faktor, sondern spart dem Forstwirt schlichtweg Zeit, da er seltener Öl nachfüllen muss. Die einstellbare Ölpumpe erlaubt es zudem, die Fördermenge exakt an die Schienenlänge und die Holzart anzupassen – bei trockenem Eichenholz wird logischerweise mehr Schmierung benötigt als bei frischer Fichte.

Ergonomie und Handhabung: Ein Koloss, der sich führen lässt

Mit einem Trockengewicht von etwa 7,5 kg (ohne Schiene und Kette) ist die MS 660 Magnum wahrlich kein Leichtgewicht. Vollbetankt und mit einer 63-cm-Schiene bringt das gesamte System locker 10 bis 11 kg auf die Waage. Umso wichtiger ist das Anti-Vibrations-System. Stihl verwendet hier präzise berechnete Pufferzonen, die die Schwingungen des Motors und der umlaufenden Sägekette effektiv vom Handgriff entkoppeln. Das schützt die Gelenke und verhindert das gefürchtete „Weißfinger-Syndrom“, eine Durchblutungsstörung, die durch langjährige Arbeit mit vibrierenden Maschinen entstehen kann.

Ein weiteres Feature, das den Arbeitsalltag erleichtert, ist das ElastoStart-System. Jeder, der schon einmal versucht hat, einen 90-Kubik-Motor ohne Dekompressionsventil zu starten, kennt den harten Widerstand beim Anwerfen. ElastoStart dämpft durch ein federndes Element im Anwerfgriff die Belastungsspitzen beim Anziehen. In Kombination mit dem manuellen Dekompressionsventil, das den Kompressionsdruck im Zylinder beim Startvorgang reduziert, lässt sich die MS 660 erstaunlich kraftschonend starten. Man muss kein Bodybuilder sein, um diese Bestie zum Leben zu erwecken, was die tägliche Arbeit im Wald erheblich entspannt.

Die Bedienelemente sind intuitiv angeordnet. Die Einhebelbedienung für Start, Betrieb und Stopp ist so gestaltet, dass man die Hand nie vom Griff nehmen muss. Das erhöht nicht nur den Komfort, sondern ist ein entscheidender Sicherheitsfaktor. Ein schneller Daumendruck genügt, um die Maschine im Notfall auszuschalten. Zudem ist der Handschutz so dimensioniert, dass er bei einem Rückschlag (Kickback) die Kettenbremse QuickStop in Millisekunden auslöst. Bei der kinetischen Energie, die eine .404er Kette bei Vollgas entwickelt, ist ein absolut zuverlässiges Bremssystem lebensnotwendig.

Wartung und Langlebigkeit: Konstruiert für die Ewigkeit

Die Langlebigkeit der MS 660 Magnum ist legendär, was zum großen Teil an ihrem durchdachten Luftfiltersystem liegt. Bei der Forstarbeit entsteht eine enorme Menge an Staub und Spänen. Das HD2-Filtersystem dieser Säge besteht aus Polyethylen-Filtermaterial mit bis zu 70 % feineren Poren als herkömmliche Filter. Dies hält selbst feinsten Staub vom Vergaser und dem Motor fern. Ein sauberer Motor bedeutet konstante Leistung und weniger Verschleiß an Kolben und Zylindern. Zudem lässt sich der HD2-Filter einfach reinigen, was die Betriebskosten niedrig hält.

Der Vergaser der MS 660 ist mit einem sogenannten Kompensator ausgestattet. Dieses kleine Bauteil sorgt dafür, dass trotz zunehmender Verschmutzung des Luftfilters das Kraftstoff-Luft-Gemisch nahezu konstant bleibt. Die Säge verliert also nicht sofort an Leistung, wenn der Filter etwas staubig wird. Erst wenn der Filter wirklich zugesetzt ist, bemerkt der Anwender einen Leistungsabfall. Dies ermöglicht längere Arbeitsintervalle ohne Unterbrechungen für Wartungsarbeiten mitten im Bestand. Die seitliche Kettenspannung ist ein weiteres Detail, das den Komfort erhöht: Man muss nicht mit den Fingern in die Nähe der scharfen Zähne, um die Kettenspannung zu justieren.

Für den harten Wintereinsatz verfügt die MS 660 Magnum oft über eine Vorwärmung des Vergasers. Durch einfaches Umstellen eines Schiebers wird angewärmte Luft vom Zylinder zum Vergaser geleitet. Das verhindert das Vereisen des Vergasers bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und hoher Luftfeuchtigkeit. Solche Details zeigen, dass die Ingenieure bei Stihl genau wussten, in welchen Umgebungen diese Säge eingesetzt wird. Es ist keine Maschine für Schönwetter-Tage; sie ist gebaut, um bei Frost, Regen und Hitze gleichermaßen ihre volle Leistung abzurufen.

Die MS 660 im Vergleich: Warum das alte Modell noch immer glänzt

Oft stellt sich die Frage, warum man nach einer gebrauchten MS 660 suchen sollte, wenn es doch die modernere MS 661 mit M-Tronic gibt. Der Hauptgrund für viele Puristen ist die Einfachheit. Die MS 660 hat keinen Bordcomputer. Die Gemischeinstellung erfolgt klassisch über die H- und L-Schrauben am Vergaser. Wer sich mit der Mechanik auskennt, kann diese Säge überall auf der Welt mit einfachstem Werkzeug reparieren und auf unterschiedliche Kraftstoffqualitäten oder Höhenlagen einstellen. In Regionen, in denen der nächste Fachhändler Stunden entfernt ist, ist diese Autarkie ein unschätzbarer Wert.

Zudem wird der MS 660 eine etwas aggressivere Leistungsentfaltung nachgesagt. Während die MS 661 durch die elektronische Regelung sehr kontrolliert und effizient arbeitet, fühlt sich die 660er „roher“ an. Das Ansprechverhalten am Gas ist direkt und ungefiltert. Viele erfahrene Forstwirte schätzen genau dieses Feedback der Maschine. Es ist ein mechanisches Zwiegespräch zwischen Mensch und Material. Die MS 660 Magnum ist zudem bekannt für ihre extreme Hitzebeständigkeit, was sie besonders in heißen Klimazonen oder bei extremen Dauereinsätzen im Sägewerk beliebt macht.

Natürlich hat die modernere Technik Vorteile beim Kraftstoffverbrauch und bei den Abgaswerten. Die MS 660 ist eine Säge alter Schule und geht entsprechend durstig mit dem Kraftstoff um. Ein Tankinhalt von 0,825 Litern klingt viel, ist aber bei der Leistung der Maschine unter Volllast schneller aufgebraucht, als man denkt. Doch wer eine MS 660 kauft, sucht keine Sparsamkeit, sondern maximale Produktivität pro Arbeitsstunde. In der Welt des Starkholzes zählt die Zeit, die man braucht, um den Stamm zu Boden zu bringen, und hier ist die 660er nach wie vor eine Instanz.

Praxis-Check: Wo die MS 660 ihre wahre Bestimmung findet

Man kauft keine MS 660, um Brennholz für den Kamin zu schneiden. Das wäre, als würde man mit einem Ozeandampfer über einen kleinen See schippern. Ihre wahre Bestimmung findet sie in Beständen mit Stammdurchmessern von 60, 80 oder über 100 Zentimetern. Wenn man einen Fällschnitt bei einer 120 Jahre alten Buche ansetzt, muss man sich darauf verlassen können, dass die Säge im entscheidenden Moment nicht stottert. Die MS 660 liefert genau diese Sicherheit. Durch ihr hohes Eigengewicht liegt sie beim horizontalen Fällschnitt extrem stabil und lässt sich präzise führen.

Ein weiteres großes Einsatzgebiet ist die Wertholzgewinnung. Beim Auftrennen von wertvollen Stämmen direkt im Wald ist die konstante Power gefragt. Viele mobile Sägewerksbesitzer schwören auf die MS 660, weil sie stundenlange Dauerbelastung aushält, die andere Sägen thermisch überfordern würde. Die Kühlrippen des Zylinders sind so dimensioniert, dass der Luftstrom des Lüfterrads auch bei hoher Last eine effektive Kühlung gewährleistet. Das ist technisches Vertrauen, das man sich über Jahrzehnte im harten Einsatz erarbeiten muss.

Letztlich ist die MS 660 Magnum mehr als nur eine Ansammlung von Metall und Kunststoff. Sie ist ein Werkzeug, das Generationen von Waldarbeitern begleitet hat. Ihre Spezifikationen lesen sich wie das Rezept für ein perfektes Arbeitsgerät: Hubraumstark, robust, wartungsfreundlich und kompromisslos in der Leistung. Wer einmal eine gut eingestellte MS 660 durch ein massives Stück Holz geführt hat, versteht, warum sie trotz modernerer Alternativen ihren Platz in den Herzen der Forstprofis sicher hat. Sie ist und bleibt das Maß der Dinge, wenn es darum geht, die Riesen des Waldes zu bändigen.

Wer heute das Glück hat, eine gut erhaltene MS 660 Magnum zu besitzen oder zu erwerben, hält ein Stück Technikgeschichte in den Händen. Es ist eine Maschine, die mit ein wenig Pflege wahrscheinlich auch in zwanzig Jahren noch genauso kraftvoll durch das Holz gleiten wird wie am ersten Tag. Am Ende ist es nicht die Elektronik, die den Baum fällt, sondern der unbeugsame Wille einer mechanischen Legende, die genau dafür gebaut wurde.

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