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Stihl MS 170 Kettengröße

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem kühlen Samstagmorgen im Garten, die Stihl MS 170 springt beim ersten Zug an, doch sobald das Schwert das Holz berührt, passiert fast nichts. Statt grober Holzspäne fliegt nur feiner Staub durch die Luft, und der Motor quält sich sichtlich. Viele Hobby-Waldarbeiter schieben dies sofort auf die Motorleistung, doch in neun von zehn Fällen liegt das Problem tiefer – oder genauer gesagt, direkt auf der Führungsschiene. Die Wahl der exakten Kettengröße und des richtigen Typs entscheidet darüber, ob Ihre MS 170 ein präzises Werkzeug oder ein frustrierendes Stück Metall in Ihren Händen ist.

Die Stihl MS 170 ist eine Legende unter den Einstiegs-Motorsägen, doch ihre wahre Kraft entfaltet sie nur mit der perfekt abgestimmten Garnitur. Wer wahllos ins Regal greift, riskiert nicht nur einen erhöhten Verschleiß von Kettenrad und Schiene, sondern setzt auch seine eigene Sicherheit aufs Spiel. Eine Kette, die nicht exakt in die Nut passt oder deren Teilung nicht mit dem Antriebsritzel harmoniert, kann abspringen oder gefährliche Rückschläge provozieren. Es geht hierbei nicht um Millimeterarbeit im übertragenen Sinne, sondern um physikalische Präzision, die den Unterschied zwischen einem sauberen Schnitt und einem gefährlichen Unfall ausmacht.

Hinter den kryptischen Zahlenkombinationen auf der Verpackung verbirgt sich eine Logik, die jeder Besitzer einer MS 170 verstehen sollte. Es ist kein Geheimnis, dass Stihl ein geschlossenes System bevorzugt, bei dem alle Komponenten optimal ineinandergreifen. Doch was bedeutet das konkret für die Kettengröße? Wir sprechen hier über die Symbiose aus Treibglieddicke, Kettenteilung und der Anzahl der Treibglieder, die zusammen das Orchester für Ihre Forstarbeit bilden. Wer diese Parameter kennt, kauft nie wieder die falsche Ausrüstung und schont langfristig seinen Geldbeutel durch eine massiv erhöhte Lebensdauer der Maschine.

Das Fundament: Die technischen Spezifikationen der Stihl MS 170 Kette

Die Stihl MS 170 wird standardmäßig fast ausschließlich mit einer 3/8″ Picco Micro (PM3) Kette ausgeliefert. Der Begriff „Picco“ steht im Hause Stihl für eine Niedrigprofilkette, die speziell für leichtere Sägen entwickelt wurde. Diese Ketten zeichnen sich durch ein besonders ruhiges Schnittverhalten und eine geringe Rückschlagneigung aus. Die Teilung von 3/8″ bedeutet dabei, dass der Abstand zwischen drei aufeinanderfolgenden Nieten geteilt durch zwei genau 9,32 mm ergibt. Dies ist der Standard für kompakte Sägen, da er einen schmalen Schnitt ermöglicht, der weniger Motorleistung erfordert.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Treibglieddicke, die bei der MS 170 in der Regel 1,1 mm (oder .043 Zoll) beträgt. Diese schmale Ausführung sorgt dafür, dass die Kette mit minimalem Widerstand durch das Holz gleitet. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass eine dickere Kette automatisch stabiler oder besser sei. Im Gegenteil: Würden Sie versuchen, eine 1,3 mm Kette auf dem Standard-Schwert der MS 170 zu fahren, würde diese entweder gar nicht erst in die Nut passen oder die Schiene innerhalb kürzester Zeit durch massive Reibung zerstören. Die 1,1 mm sind exakt auf die 1,2 PS der kleinen Stihl abgestimmt, um die maximale Schnittleistung aus dem Hubraum herauszukitzeln.

Die Länge der Kette wird bei der MS 170 nicht in Zentimetern gemessen, sondern über die Anzahl der Treibglieder definiert. Bei dem am häufigsten verwendeten 30 cm Schwert sind dies exakt 44 Treibglieder. Sollten Sie sich für die längere 35 cm Variante entscheiden, benötigen Sie eine Kette mit 50 Treibgliedern. Es ist essenziell, diese Zahlen im Kopf zu haben oder auf dem Schwert nachzulesen, da schon ein einziges Glied zu viel oder zu wenig dazu führt, dass sich die Kette nicht mehr korrekt spannen lässt. Ein zu kurzes Glied lässt sich nicht montieren, während ein zu langes Glied selbst bei maximal ausgereizter Stellschraube gefährlich durchhängt.

  • Kettenteilung: 3/8″ Picco (Hobby)
  • Treibgliedbreite: 1,1 mm (.043″)
  • Treibglieder bei 30 cm: 44 Stück
  • Treibglieder bei 35 cm: 50 Stück
  • Kettentyp: Halbmeißel (Standard)

Die Millimeter-Frage: Treibglieddicke und Nutbreite im Detail

Warum legt Stihl so großen Wert auf die 1,1 mm Treibglieddicke bei der MS 170? Die Antwort liegt in der Effizienz. Eine dünnere Kette bedeutet eine schmalere Schnittfuge. Das bedeutet wiederum, dass die Säge weniger Holz zerspanen muss, um sich durch den Stamm zu arbeiten. Da die MS 170 für den privaten Gebrauch und leichte Entastungsarbeiten konzipiert ist, verfügt sie nicht über die Drehmomentreserven einer Profisäge wie der MS 261. Die 1,1 mm Kette ist also ein cleverer Ingenieurskniff, um die gefühlte Leistung der Säge deutlich zu steigern, ohne das Gewicht des Motors zu erhöhen.

Problematisch wird es oft, wenn Besitzer im Baumarkt nach Ersatz suchen. Dort werden häufig Universalketten mit 1,3 mm Dicke angeboten, die oberflächlich betrachtet passen könnten. Doch Vorsicht: Die Führungsschiene der MS 170 ist präzise auf 1,1 mm gefräst. Eine 1,3 mm Kette würde in dieser Nut klemmen oder gar nicht erst eintauchen. Umgekehrt würde eine 1,1 mm Kette in einer (theoretisch montierten) 1,3 mm Schiene gefährlich hin- und herschlenkern. Das führt zu einem schiefen Schnittbild und erhöht das Risiko, dass die Kette aus der Führung springt – ein Szenario, das jeder erfahrene Säger unter allen Umständen vermeiden möchte.

Die Schmierung spielt bei diesen geringen Toleranzen eine Hauptrolle. Das Ematic-System von Stihl sorgt dafür, dass das Kettenöl direkt an die Stellen gelangt, wo es benötigt wird: an die Laufflächen der Treibglieder und die Nieten. Bei einer exakt passenden Kettengröße entsteht ein optimaler Ölfilm in der Nut der Führungsschiene. Ist das Spiel zu groß oder zu klein, bricht dieser Film ab, die Reibung steigt exponentiell an, und die Kette wird so heiß, dass sie sich dauerhaft dehnt oder die Schiene ausglüht. Achten Sie daher immer darauf, dass die Nut sauber ist, damit die 1,1 mm Treibglieder ungehindert gleiten können.

Die richtige Schienenlänge: 30 cm oder 35 cm?

Oft stellt sich beim Kauf einer neuen Kette die Frage, ob man die Gelegenheit nutzt, um auf ein längeres Schwert umzusteigen. Die Stihl MS 170 ist für Schienenlängen von 30 cm und 35 cm zertifiziert. Die 30 cm Schiene ist die Standardkonfiguration und bietet die beste Balance. Mit 44 Treibgliedern ist die Kette kompakt, die Säge bleibt extrem handlich und die Gewichtsverteilung ist ideal für das Entasten von Bäumen oder das Schneiden von Kaminholz. In dichten Hecken oder engem Geäst ist jeder Zentimeter weniger ein Gewinn an Manövrierfähigkeit.

Ein Wechsel auf 35 cm (50 Treibglieder) scheint auf den ersten Blick verlockend, da man damit auch dickere Stämme in einem Rutsch durchtrennen kann. Man darf jedoch nicht vergessen, dass die Motorleistung der MS 170 konstant bleibt. Eine längere Schiene bedeutet mehr Reibung und mehr Schneidezähne, die gleichzeitig im Holz greifen. Dies kann dazu führen, dass die Säge schneller in die Knie geht, wenn man zu viel Druck ausübt. Für gelegentliche Schnitte in stärkerem Weichholz ist die 35 cm Variante vertretbar, für den dauerhaften Einsatz empfiehlt sich jedoch das 30 cm System.

Wer oft zwischen verschiedenen Holzarten wechselt, könnte sogar über zwei unterschiedliche Garnituren nachdenken. Ein kurzes 30 cm Schwert für hartes Eichenholz, um die Last auf den Motor zu minimieren, und ein 35 cm Schwert für leichte Arbeiten im Garten oder Weichholz. Wichtig ist nur: Jedes Mal, wenn Sie das Schwert wechseln, müssen Sie zwingend die dazu passende Kette mit der richtigen Anzahl an Treibgliedern verwenden. Ein Mischen der Ketten unter den Schwertern ist aufgrund der festen Gliedanzahl physikalisch unmöglich.

Materialkunde: Warum Stihl-Ketten einen technologischen Vorsprung haben

Es ist kein Zufall, dass Profis oft auch auf Fremdfabrikaten Stihl-Ketten verwenden. Die Schweizer Präzisionsfertigung im Stihl-Werk in Wil ist legendär. Die Ketten für die MS 170 bestehen aus einer speziellen Chrom-Stahl-Legierung. Ein besonderes Merkmal sind die elektrolytisch verchromten Schneiderzähne. Diese Schicht ist extrem hart und sorgt dafür, dass die Kette deutlich länger scharf bleibt als herkömmliche Billigprodukte. Bei der MS 170, die oft von Gelegenheitsnutzern verwendet wird, die vielleicht nicht nach jedem Tankstopp nachfeilen, ist diese Standzeit ein unschätzbarer Vorteil.

Ein weiteres Detail ist die Vorreckung der Ketten im Werk. Jede Stihl-Sägekette wird am Ende des Produktionsprozesses einer definierten Zugbelastung ausgesetzt. Dies minimiert die Längung der Kette während der ersten Betriebsstunden. Bei minderwertigen Ketten müssen Sie oft nach wenigen Schnitten die Spannung korrigieren, da sich das Material unter Hitze und Last massiv ausdehnt. Eine vorgereckte Stihl-Kette für Ihre MS 170 bleibt wesentlich konstanter in ihrer Passform, was den Wartungsaufwand reduziert und die Sicherheit erhöht.

Zudem verfügen die Treibglieder über kleine Ölkanäle und feine Vertiefungen, die das Kettenöl speichern und gezielt an die Gelenke der Kette weitergeben. Dies ist besonders bei der MS 170 wichtig, da deren Ölpumpe nicht verstellbar ist. Das System muss also passiv so effizient wie möglich arbeiten. Eine Originalkette stellt sicher, dass die begrenzte Ölmenge optimal genutzt wird, um Verschleiß an der Schiene und der Kette selbst zu verhindern. Wenn Sie eine Kette in der Hand halten, achten Sie auf die kleinen Einprägungen – sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung.

Die Kunst des Nachschärfens: Winkel, Feilen und Rhythmus

Die beste Kettengröße nützt wenig, wenn die Geometrie der Schneidezähne nicht mehr stimmt. Für die 3/8″ Picco Kette der MS 170 benötigen Sie eine Rundfeile mit einem Durchmesser von exakt 4,0 mm. Ein häufiger Fehler ist die Verwendung von 4,8 mm oder 5,5 mm Feilen, die für größere Ketten gedacht sind. Eine zu große Feile würde den Zahn unterschneiden und die Stabilität der Schneidkante ruinieren. Das Ziel beim Schärfen ist es, den Schärfwinkel von 30 Grad exakt einzuhalten. Die meisten Stihl-Ketten haben dafür eine Markierung auf dem Zahndach, die als optische Orientierung dient.

Neben dem Schärfwinkel ist die Höhe des Tiefenbegrenzers entscheidend. Dieser kleine Metallhöcker vor dem Schneidezahn bestimmt, wie tief der Zahn ins Holz eindringt. Bei der MS 170 sollte der Abstand zwischen Zahndach und Tiefenbegrenzer genau 0,65 mm betragen. Ist der Begrenzer zu hoch, produziert die Säge nur Staub; ist er zu tief, neigt die Säge zum Rupfen und das Rückschlagrisiko steigt massiv an. Ein Kombilehren-Werkzeug ist hierbei ein unverzichtbarer Begleiter, um diese Werte ohne Rätselraten zu kontrollieren.

Ein Profi-Tipp für MS 170 Besitzer: Feilen Sie lieber öfter mit zwei, drei leichten Strichen nach, als die Kette erst dann zu bearbeiten, wenn sie komplett stumpf ist. Sobald Sie merken, dass Sie Druck auf die Säge ausüben müssen, ist der optimale Zeitpunkt überschritten. Eine scharfe Kette zieht sich von selbst ins Holz. Das schont nicht nur Ihre Kräfte, sondern verhindert auch, dass die Kettenglieder durch Überhitzung weich werden und ihre Härte verlieren. Ein regelmäßiger Rhythmus beim Schärfen sorgt dafür, dass die Kettengröße und -form über die gesamte Lebensdauer konstant bleibt.

Typische Verschleißerscheinungen und wann ein Wechsel unumgänglich ist

Jede Kette erreicht irgendwann das Ende ihrer Reise. Bei der MS 170 erkennt man dies oft daran, dass die Verschleißmarkierungen auf den Zähnen erreicht sind. Diese kleinen Linien auf dem Zahndach und der Zahnseite zeigen das Limit an. Wird darüber hinaus gefeilt, kann der Zahn abbrechen. Ein weiteres Warnsignal ist eine ungleichmäßige Abnutzung. Wenn die Säge einen „Bogen“ schneidet, obwohl Sie gerade halten, sind die Zähne auf einer Seite kürzer oder stumpfer als auf der anderen. In diesem Fall hilft oft nur noch ein professioneller Maschinenschliff oder eine neue Kette.

Achten Sie auch auf die Treibglieder. Zeigen diese an der Unterseite starke Laufspuren oder sind sie gratig? Das deutet auf ein verschlissenes Kettenrad oder eine mangelhafte Kettenspannung hin. Wenn die Kette zu locker gefahren wurde, schlägt sie gegen die Schienenspitze und das Antriebsritzel, was die feinen Glieder deformiert. Eine solche Kette läuft nicht mehr sauber in der Nut und sollte ausgetauscht werden, bevor sie die Führungsschiene dauerhaft beschädigt. Die Kosten für eine neue Kette sind minimal im Vergleich zu einem neuen Motorgehäuse oder einer kompletten Schneidgarnitur.

Ein oft ignorierter Aspekt ist die Dehnung. Wenn die Spannschraube Ihrer MS 170 am Anschlag ist und die Kette immer noch durchhängt, ist das Material physikalisch am Ende. Das passiert häufig bei Überhitzung durch eine stumpfe Kette oder Ölmangel. Eine überdehnte Kette passt nicht mehr exakt auf die Teilung des Kettenrades. Die Zähne der Kette treffen nicht mehr genau in die Täler des Ritzels, was zu massiven Vibrationen und im schlimmsten Fall zum Bruch der Kette führen kann. Sicherheit geht hier immer vor falscher Sparsamkeit.

Wenn die Späne erst einmal wieder in hohen Bögen fliegen und die MS 170 förmlich durch das Holz saugt, weiß man, dass sich die Mühe der richtigen Kettenwahl gelohnt hat. Es ist dieses Zusammenspiel aus technischem Verständnis und handwerklichem Geschick, das die Arbeit im Wald so befriedigend macht. Wer seine Maschine respektiert und ihr die passende Garnitur gönnt, wird mit Zuverlässigkeit und Präzision belohnt, die weit über den Standard hinausgeht. Letztlich ist die Kette das einzige Teil der Säge, das wirklich mit dem Holz kommuniziert – sorgen Sie dafür, dass diese Kommunikation klar und effizient bleibt.

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