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Husqvarna 136 Kettensäge

Ein frostiger Morgen im Wald, der Atem bildet kleine weiße Wolken in der kalten Luft und vor einem liegt ein Stapel massiver Buchenstämme, die darauf warten, in ofengerechte Stücke zerteilt zu werden. In solchen Momenten wird die Ausrüstung zur Verlängerung des eigenen Arms. Wer jemals mit einer stumpfen Kette oder einer unzuverlässigen Maschine gekämpft hat, weiß, dass der Unterschied zwischen Frust und Erfolg oft in der Technik liegt, die man in den Händen hält. Die Husqvarna 136 ist ein solches Stück Technik, das trotz seines Alters in der Welt der Forstwirtschaft und Gartenpflege einen fast schon legendären Ruf genießt.

Warum entscheiden sich heute noch immer erfahrene Anwender für ein Modell, das längst nicht mehr als Flaggschiff der schwedischen Ingenieurskunst gilt? Es ist die Schlichtheit gepaart mit einer Robustheit, die modernen, computergesteuerten Sägen manchmal fehlt. Die Husqvarna 136 stammt aus einer Ära, in der Werkzeuge dafür gebaut wurden, repariert zu werden, anstatt sie bei der kleinsten elektronischen Fehlermeldung auszutauschen. Sie ist die Brücke zwischen der schweren Profimaschine und der leichten Hobbysäge, ein Allrounder, der im Dickicht der Produktbezeichnungen oft unterschätzt wird.

Es geht nicht nur um reine PS-Zahlen oder die Länge des Schwerts. Es geht um das Vertrauen, das man spürt, wenn der Motor beim zweiten Zug am Starterseil rhythmisch zu knattern beginnt. In den folgenden Abschnitten schauen wir uns genau an, was dieses Modell so besonders macht, wie man es pflegt und warum es auch heute noch eine kluge Investition für jeden sein kann, der echtes Handwerk schätzt. Wer die Mechanik versteht, wird feststellen, dass die 136 mehr ist als nur eine Motorsäge – sie ist ein zuverlässiger Partner für die harten Aufgaben im Freien.

Die technische DNA der Husqvarna 136

Wenn man die Haube der Husqvarna 136 abnimmt, blickt man auf ein Herzstück mit 36 Kubikzentimetern Hubraum. Mit einer Leistung von etwa 1,6 kW oder 2,2 PS ist sie keine Bestie für den industriellen Holzeinschlag, aber sie besitzt genug Drehmoment, um mittelstarke Stämme ohne Murren zu bewältigen. Das Besondere an diesem Motor ist seine Charakteristik: Er ist auf Drehzahl ausgelegt, was besonders beim Entasten von Bäumen einen enormen Vorteil bietet. Die Kraftentfaltung erfolgt linear, was dem unerfahrenen Nutzer Sicherheit gibt und dem Profi erlaubt, präzise Schnitte zu setzen.

Ein entscheidender Faktor für die Langlebigkeit dieses Modells ist das Kurbelgehäuse. Während viele heutige Einstiegsmodelle auf Kunststoff setzen, findet man hier oft noch solide Strukturen, die thermischen Belastungen standhalten. Die Luftführung wurde so konzipiert, dass grobe Partikel bereits vor dem Erreichen des Luftfilters abgeschieden werden. Dieses sogenannte Air Injection System sorgt dafür, dass die Intervalle zwischen den Reinigungen deutlich länger ausfallen. Man verbringt also weniger Zeit mit dem Schraubendreher in der Hand und mehr Zeit am Holzstapel.

Das Gewicht von rund 4,6 Kilogramm (ohne Schneidgarnitur) macht sie zu einem Leichtgewicht im Vergleich zu den bulligen Fällsägen der 70er-Serie. Dieses Leistungsgewicht ist ideal für Arbeiten, die über mehrere Stunden andauern. Wer schon einmal einen ganzen Tag lang Brennholz gesägt hat, weiß jedes Gramm zu schätzen, das er nicht unnötig heben muss. Die 136 balanciert diesen schmalen Grat zwischen Leichtbau und massiver Haltbarkeit auf eine Weise, die man heute bei vielen Consumer-Produkten schmerzlich vermisst.

Ergonomie und Handhabung im harten Einsatz

Gutes Werkzeug darf nicht nur funktionieren, es muss sich gut anfühlen. Husqvarna hat bei der 136 das LowVib-System integriert, das durch Dämpfungselemente die Vibrationen des Motors von den Griffen entkoppelt. Das klingt nach einem Marketing-Versprechen, ist aber in der Praxis der Unterschied zwischen einem entspannten Feierabend und tauben, kribbelnden Fingern nach der Arbeit. Die Federung ist so abgestimmt, dass man dennoch ein direktes Feedback für den Schnitt bekommt, ohne dass die Maschine in den Händen unkontrolliert tanzt.

Die Anordnung der Bedienelemente ist intuitiv. Der kombinierte Choke- und Stoppschalter erlaubt eine einfache Bedienung, selbst wenn man dicke Arbeitshandschuhe trägt. Ein oft übersehenes Detail ist der vordere Handschutz, der nicht nur als Kettenbremse fungiert, sondern durch seine Formgebung auch bei einem Rückschlag (Kickback) sofort auslöst. Die Reaktionszeit dieser mechanischen Bremse ist exzellent und bietet ein Sicherheitsnetz, das gerade bei der Arbeit im unwegsamen Gelände unverzichtbar ist. Wie oft passiert es, dass man im Unterholz an einem Ast hängen bleibt? In solchen Momenten ist die Zuverlässigkeit der Bremse entscheidend.

Die Balance der Säge ist auf ein 33 bis 38 Zentimeter langes Schwert optimiert. Mit dieser Konfiguration liegt der Schwerpunkt fast perfekt unter dem vorderen Griff. Das ermöglicht ein ermüdungsfreies Führen der Säge, sowohl bei vertikalen Schnitten am Stamm als auch bei horizontalen Fällschnitten. Wer die 136 einmal durch ein Stück Hartholz geführt hat, bemerkt, wie stabil sie in der Spur bleibt. Es gibt kein seitliches Ausbrechen, sofern die Kette korrekt geschärft ist. Diese Stabilität vermittelt ein Gefühl der Kontrolle, das besonders für Gelegenheitsanwender wichtig ist, um Unfälle zu vermeiden.

Wartung als Schlüssel zur Unsterblichkeit

Eine Motorsäge ist nur so gut wie ihre Pflege. Bei der Husqvarna 136 ist der Zugang zu den wichtigsten Komponenten vorbildlich gelöst. Um den Luftfilter zu reinigen oder die Zündkerze zu prüfen, bedarf es nur weniger Handgriffe. Viele Nutzer vernachlässigen diese einfachen Schritte, wundern sich dann aber über Startschwierigkeiten. Ein sauberes Vlies im Luftfilter ist die Lunge der Maschine; bekommt sie keine Luft, quittiert sie den Dienst mit Überhitzung und Leistungsverlust. Es lohnt sich, nach jedem größeren Einsatz kurz den Deckel zu öffnen und den groben Staub wegzupusten.

Ein kritischer Punkt bei älteren Modellen wie der 136 sind die Gummiteile. Kraftstoffleitungen und die Membranen im Vergaser können über die Jahrzehnte spröde werden, besonders wenn Kraftstoff mit hohem Bio-Ethanol-Anteil verwendet wurde. Wer seine Säge liebt, greift zu Sonderkraftstoff wie Aspen, der nicht nur die eigene Lunge schont, sondern auch die empfindlichen Bauteile im Inneren konserviert. Sollte die Säge im Leerlauf unruhig laufen oder beim Gasgeben absterben, ist oft eine einfache Reinigung des Vergasers oder der Austausch der Membranen die Lösung – eine Arbeit, die man mit etwas Geschick selbst erledigen kann.

Die Kettenschmierung ist ein weiteres Kapitel der Wartung. Die 136 verfügt über eine automatische Ölpumpe, die jedoch nicht verstellbar ist. Das bedeutet, man muss sicherstellen, dass die Ölkanäle im Schwert stets frei von Sägemehl und verharztem Öl sind. Ein einfacher Test: Die Sägespitze vor einen hellen Hintergrund (wie einen frischen Baumstumpf) halten und kurz Gas geben. Wenn ein feiner Ölstreifen erscheint, ist alles im grünen Bereich. Ohne diese Schmierung glühen Schiene und Kette innerhalb von Minuten aus, was teure Folgeschäden nach sich zieht. Regelmäßige Kontrolle spart hier bares Geld.

Das Revier der 136: Wo sie ihre Stärken ausspielt

Ist die Husqvarna 136 für jeden Zweck geeignet? Sicherlich nicht. Wenn es darum geht, eine 80 Zentimeter starke Eiche zu fällen, wird man mit ihr an Grenzen stoßen. Doch ihr wahres Revier ist die Grundstückspflege und das Aufarbeiten von Brennholz. Hier glänzt sie durch ihre Wendigkeit. Wer schon einmal versucht hat, mit einer 7-Kilo-Säge dünne Äste von einer am Boden liegenden Krone zu entfernen, weiß, wie anstrengend das sein kann. Die 136 lässt sich fast wie ein Skalpell führen, präzise und schnell.

In ländlichen Gebieten sieht man sie oft auf den Anhängern von Wochenend-Holzmachern. Sie ist die perfekte Zweitsäge. Während die große Säge für das Fällen und Ablängen der dicken Stämme zuständig ist, übernimmt die 136 das Entasten und das Kleinschneiden von dünnerem Material. Diese Aufgabenteilung schont die Kräfte des Anwenders und die Mechanik der teuren Profimaschinen. Statistisch gesehen fallen beim privaten Holzeinschlag über 70 % der Arbeiten in einen Durchmesserbereich, den die 136 mühelos abdeckt. Warum also mehr Gewicht schleppen als nötig?

Auch bei Bauprojekten im Außenbereich, wie dem Bau eines Gartenhauses oder eines stabilen Zauns, leistet sie wertvolle Dienste. Durch die kompakte Bauform kann man sie auch an Stellen einsetzen, wo wenig Platz zur Verfügung steht. Die Schnittgenauigkeit ist bei einer gut eingestellten Kette so hoch, dass man mit etwas Übung sogar grobe Zimmermannsarbeiten verrichten kann. Sie ist eben ein echtes Arbeitstier, das nicht geschont werden will, sondern Aufgaben braucht, an denen es wachsen kann. Der Sound des Zweitakters ist dabei der Soundtrack für produktive Stunden im Freien.

Gebrauchtkauf und Ersatzteilmarkt: Ein zweites Leben

Da die Husqvarna 136 neu nicht mehr produziert wird, ist der Gebrauchtmarkt der Ort, an dem sich heute die Wege kreuzen. Man findet sie oft auf Online-Plattformen oder bei lokalen Landmaschinenhändlern. Der große Vorteil: Die 136 teilt sich viele Bauteile mit den Modellen 137, 141 und 142. Das bedeutet, dass die Ersatzteilversorgung auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, gesichert ist. Sowohl Originalteile als auch hochwertige Nachbauten sind leicht und kostengünstig verfügbar. Das macht sie zu einem idealen Projekt für Bastler oder preisbewusste Einsteiger.

Worauf sollte man beim Kauf achten? Ein Blick in den Auslasskanal gibt Aufschluss über den Zustand des Kolbens. Sind hier Riefen zu sehen, deutet das auf einen Kolbenfresser hin – meist verursacht durch falsches Gemisch. Ein kurzer Test des Kompressionswiderstands am Starterseil verrät ebenfalls viel über den inneren Zustand. Wenn die Säge leicht durchzieht, ohne nennenswerten Widerstand, ist Vorsicht geboten. Doch selbst ein defektes Modell lässt sich oft für unter 50 Euro wieder fit machen, da die Technik logisch und für Menschen mit mechanischem Grundverständnis leicht zugänglich ist.

Es ist diese Einfachheit, die der Husqvarna 136 eine treue Fangemeinde beschert hat. In einer Welt voller Wegwerfprodukte wirkt eine Säge, die man mit Standardwerkzeug komplett zerlegen und wieder zusammensetzen kann, fast wie ein Relikt aus einer besseren Zeit. Wer ein gebrauchtes Modell kauft, investiert nicht nur in ein Werkzeug, sondern auch in ein Stück Maschinenbau-Geschichte. Es ist die Befriedigung, eine alte Maschine wieder zum Leben zu erwecken und dann zu sehen, wie sie sich mühelos durch das Holz frisst, die viele Nutzer so schätzen.

Sicherheit und Verantwortung im Umgang mit Kraft

Trotz ihrer kompakten Größe bleibt die Husqvarna 136 eine gefährliche Maschine, wenn man sie nicht mit dem nötigen Respekt behandelt. Die Kettengeschwindigkeit ist beachtlich und ein Kontakt mit der laufenden Kette verzeiht keine Fehler. Daher ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA) absolut nicht verhandelbar. Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz sowie robuste Handschuhe gehören zum Pflichtprogramm, egal ob man nur einen Ast im Garten schneidet oder den ganzen Wald aufräumt. Die 136 ist zwar leicht zu führen, aber gerade diese Leichtigkeit verleitet manchmal zu Unachtsamkeit.

Ein wichtiger Aspekt ist das Verhalten bei einem Rückschlag. Die 136 ist so konstruiert, dass sie bei korrekter Haltung sicher abgefangen werden kann. Die linke Hand muss den vorderen Griff fest umschließen, wobei der Daumen immer unter dem Griff liegen sollte. Nur so ist gewährleistet, dass die Hand bei einem plötzlichen Kickback gegen den Handschutz schlägt und die Kettenbremse auslöst. Viele Unfälle passieren, weil die Säge mit nur einer Hand bedient wird oder der Stand nicht sicher ist. Die Kraft der 136 sollte man niemals unterschätzen, auch wenn sie im Vergleich zu Profimodellen kleiner wirkt.

Auch der ökologische Aspekt spielt eine Rolle. Moderne Kraftstoffe und biologisch abbaubare Kettenhaftöle sollten heute Standard sein. Da die 136 über keinen Katalysator verfügt (wie einige spätere Modelle), sind die Abgase bei Verwendung von herkömmlichem Benzin-Gemisch deutlich belastender für den Anwender. Der Umstieg auf Sonderkraftstoff reduziert nicht nur die Schadstoffe, sondern verhindert auch das Verharzen des Kraftstoffsystems bei längeren Standzeiten. Wer verantwortungsbewusst mit seiner Säge umgeht, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Umwelt, in der er arbeitet. Holzmachen ist ein Handwerk im Einklang mit der Natur, und das sollte sich auch in der Wahl der Betriebsstoffe widerspiegeln.

Am Ende des Tages ist es das Gefühl von Zufriedenheit, wenn die Arbeit getan ist. Man schaut auf den ordentlich aufgeschichteten Holzstoß, der Geruch von frischem Sägemehl und verbranntem Zweitaktgemisch liegt noch in der Luft, und die Arme sind angenehm schwer von der körperlichen Betätigung. Die Husqvarna 136 hat ihren Dienst getan, verlässlich wie eh und je. Sie ist kein Hochglanz-Gadget, das nach zwei Jahren veraltet ist. Sie ist ein Werkzeug, das mit jedem Kratzer im Gehäuse eine Geschichte erzählt – von harten Wintern, von umgestürzten Bäumen und von der einfachen Freude, etwas mit den eigenen Händen geschaffen zu haben. Wer eine solche Säge besitzt, weiß, dass er sich auf sie verlassen kann, egal was der nächste Morgen im Wald bereithält. Es sind diese beständigen Begleiter, die uns daran erinnern, dass Qualität kein Zufall ist, sondern das Ergebnis kluger Konstruktion und guter Pflege. Und während die Sonne langsam hinter den Baumwipfeln verschwindet, weiß man eines ganz genau: Morgen wird sie wieder starten, bereit für den nächsten Stamm.

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