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Husqvarna 570 Kettensäge

Der Duft von frisch gesägtem Fichtenholz mischt sich mit dem charakteristischen Geruch von Zweitaktgemisch, während die Morgensonne mühsam durch das dichte Blätterdach bricht. In dieser Stille des Waldes gibt es ein Geräusch, das Professionalität und rohe Gewalt gleichermaßen verkörpert: das Aufheulen einer Husqvarna 570. Es ist nicht einfach nur eine Kettensäge; es ist ein Werkzeug, das über Jahre hinweg den Standard für die Mittelklasse der professionellen Forstwirtschaft definiert hat. Wer jemals einen ganzen Tag im Einschlag verbracht hat, weiß, dass es auf jedes Gramm Gewicht und jedes Newtonmeter Drehmoment ankommt, wenn die Arme schwer werden und der Stapel an Stämmen noch hoch ist.

Die Husqvarna 570 stammt aus einer Ära, in der Robustheit noch über filigranen Elektronik-Schnickschnack gestellt wurde. Doch lassen Sie sich nicht täuschen – unter dem markanten orangefarbenen Gehäuse schlummert Technologie, die auch heute noch viele Baumarkt-Modelle vor Neid erblassen lässt. Es geht hier um die Balance zwischen einem Hubraum, der groß genug für ernsthafte Fällarbeiten ist, und einer Wendigkeit, die das Entasten nicht zur Qual macht. Viele Forstwirte betrachten die 570er als den „Sweet Spot“ der Motorenpalette, ein Arbeitstier, das weder vor Hartholz zurückweicht noch den Benutzer durch übermäßige Vibrationen in den vorzeitigen Feierabend treibt.

Warum entscheiden sich Profis auch heute noch für dieses spezifische Modell, obwohl modernere Nachfolger mit computergesteuerter Vergasertechnik den Markt fluten? Die Antwort liegt oft in der Berechenbarkeit. Ein Mechaniker im tiefsten Wald braucht eine Maschine, die er versteht. Die Husqvarna 570 ist wie ein alter schwedischer Volvo: Sie läuft, und wenn sie einmal hakt, lässt sie sich mit Standardwerkzeug und ein wenig Sachverstand wieder zum Leben erwecken. Diese Zuverlässigkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Evolution im skandinavischen Forstwesen, wo ein Maschinenausfall nicht nur Zeit, sondern bei extremen Wetterbedingungen auch Sicherheit kosten kann.

Die technische DNA: Leistung ohne Kompromisse

Wenn wir über die Husqvarna 570 sprechen, müssen wir über das Herzstück sprechen: den Motor. Mit einem Hubraum von 67,9 cm³ und einer Leistung von etwa 3,6 kW (4,9 PS) spielt sie in einer Liga, in der es um echte Substanz geht. Das Besondere an dieser Konstruktion ist die Art und Weise, wie die Kraft entfaltet wird. Die 570er ist bekannt für ihr hohes Drehmoment über einen breiten Drehzahlbereich. Das bedeutet in der Praxis: Wenn die Schiene tief im Stamm versinkt und der Widerstand zunimmt, „stirbt“ der Motor nicht einfach ab. Er beißt sich fest. Diese Durchzugskraft ist entscheidend, wenn man es mit gefrorenem Eichenholz oder extrem harzigen Nadelhölzern zu tun hat.

Ein entscheidender technologischer Sprung, der dieses Modell auszeichnete, war die Einführung der X-Torq® Technologie. Viele Nutzer fragen sich, was hinter diesem Marketingbegriff steckt. Im Grunde geht es um eine optimierte Spülung des Zylinders. Durch eine Luftschicht wird verhindert, dass unverbranntes Kraftstoffgemisch direkt in den Auspuff gelangt. Das Ergebnis ist beeindruckend: bis zu 20 % weniger Kraftstoffverbrauch und eine Reduzierung der Abgasemissionen um bis zu 75 %. In einer Zeit, in der wir uns der gesundheitlichen Belastung durch Abgase im Wald immer bewusster werden, ist dies ein unschätzbarer Vorteil für jeden, der täglich acht Stunden hinter der Säge steht.

Hier sind einige der wichtigsten technischen Merkmale im Überblick:

  • Hubraum: 67,9 cm³ für kraftvolle Schnitte in mittelstarkem bis starkem Holz.
  • Leistung: 3,6 kW (4,9 PS), die souverän an die Kette übertragen werden.
  • X-Torq® Technologie: Effizienz trifft auf Umweltschutz.
  • Gewicht: Ca. 6,8 kg (ohne Schneidausrüstung) – eine solide Masse für Stabilität.
  • Empfohlene Schwertlänge: Ideal zwischen 38 und 50 cm.

Ein oft übersehener Aspekt ist das Kühlsystem der 570. Profisägen müssen oft unter Volllast laufen, während die Umgebungstemperaturen im Sommer steigen. Die Luftführung bei der Husqvarna 570 ist so konzipiert, dass Staub und Späne effektiv vom Zylinder ferngehalten werden, was die Lebensdauer der Kühlrippen drastisch erhöht. Wer schon einmal eine überhitzte Säge mitten im Fällschnitt hatte, weiß, warum eine kluge Ingenieursleistung bei der Kühlung wichtiger ist als ein paar Gramm weniger auf der Waage. Die thermische Stabilität der 570 sorgt dafür, dass die Leistung auch nach der zehnten Tankfüllung des Tages nicht einbricht.

Ergonomie und das LowVib-System: Den Körper schützen

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine schwere Säge zwangsläufig ermüdender ist als eine leichte. Viel entscheidender ist die Vibrationsdämpfung. Husqvarna hat mit dem LowVib®-System Maßstäbe gesetzt. Durch den Einsatz von Stahlfedern statt einfacher Gummipuffer wird die Motoreinheit fast vollständig von den Handgriffen entkoppelt. Wenn Sie die 570 starten, spüren Sie zwar die Kraft, aber das hochfrequente Kribbeln, das langfristig zu Durchblutungsstörungen in den Händen (der sogenannten Weißfingerkrankheit) führen kann, wird minimiert. Dies ist kein Luxusfeature, sondern notwendiger Arbeitsschutz für jeden, der sein Geld mit den Händen verdient.

Die Anordnung der Griffe und der Schwerpunkt der Maschine sind darauf ausgelegt, die Säge in verschiedenen Positionen neutral auszubalancieren. Ob beim vertikalen Fällschnitt oder beim horizontalen Trennschnitt – die 570 liegt ruhig in der Hand. Die Griffe sind weit genug auseinander platziert, um eine maximale Hebelwirkung zu erzielen, ohne dass der Benutzer unnötig viel Kraft aufwenden muss, um die Säge in der Spur zu halten. Diese Ergonomie führt dazu, dass man am Ende des Tages weniger Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich spürt, was die Konzentration und damit die Sicherheit erhöht.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gestaltung der Bedienelemente. Bei der Husqvarna 570 sind Choke und Startstopp-Schalter logisch angeordnet und auch mit dicken Forsthandschuhen problemlos bedienbar. Nichts ist frustrierender, als im Winter mit klammen Fingern nach kleinen Schaltern zu suchen. Die Kettenspannung erfolgt seitlich, was das Verletzungsrisiko an der scharfen Kette minimiert und den Wartungsprozess im Feld beschleunigt. Diese Details zeigen, dass die Entwickler eng mit Waldarbeitern zusammengearbeitet haben, um ein Werkzeug zu schaffen, das im echten Einsatz funktioniert, nicht nur auf dem Papier eines Prospekts.

Air Injection™: Weniger Wartung, mehr Sägzeit

Eines der nervigsten Probleme bei der Waldarbeit ist ein verstopfter Luftfilter. Sobald der Filter mit feinem Holzstaub zugesetzt ist, sinkt die Leistung, der Kraftstoffverbrauch steigt und der Motor läuft zu fett. Hier spielt die Husqvarna 570 ihren Joker aus: das Air Injection™ System. Dabei handelt es sich um ein zentrifugales Luftreinigungssystem. Das Lüfterrad des Motors wirkt wie eine Zentrifuge, die schwere Staub- und Sägespäne nach außen schleudert, bevor sie überhaupt den Luftfilter erreichen können. Nur die bereits gereinigte Luft gelangt zum Filterelement.

In der Praxis bedeutet das, dass Sie den Luftfilter weitaus seltener reinigen müssen als bei herkömmlichen Sägen. Während Kollegen bei trockenen Bedingungen vielleicht alle zwei Stunden ihre Arbeit unterbrechen müssen, um den Filter auszuklopfen, zieht die 570 unbeirrt ihre Bahnen. Das spart über die Woche gesehen Stunden an unproduktiver Wartungszeit. Zudem schont die saubere Luft den Vergaser und den Zylinder vor vorzeitigem Verschleiß durch abrasive Partikel. Es ist ein System, das sich besonders bei der Bearbeitung von trockenem Käferholz oder beim Einsatz in staubigen Umgebungen bezahlt macht.

Sollte doch einmal eine Reinigung anstehen, ist der Zugang zum Filter vorbildlich gelöst. Die Zylinderabdeckung lässt sich meist mit Schnellverschlüssen öffnen, ohne dass man erst nach einem Schraubendreher suchen muss. Der Filter selbst kann unter fließendem Wasser oder mit Druckluft gereinigt werden. Diese Wartungsfreundlichkeit zieht sich durch das gesamte Design der Maschine. Sogar die Zündkerze und der Vergaser sind so positioniert, dass man für Routinearbeiten nicht die halbe Säge zerlegen muss. Für den Profi bedeutet das: weniger Standzeit in der Werkstatt, mehr produktive Zeit im Bestand.

Das Zusammenspiel von Kette und Schiene: Die Schneidgarnitur

Die beste Motorleistung nützt nichts, wenn sie nicht effektiv auf das Holz übertragen wird. Die Husqvarna 570 wird meist mit einer .3/8-Zoll-Teilung betrieben, was sie zu einem echten Allrounder macht. Diese Kettenart ist robust genug, um auch bei Kontakt mit leicht verschmutzter Rinde nicht sofort stumpf zu werden, bietet aber gleichzeitig eine hohe Schnittleistung. Die Wahl der Schienenlänge ist dabei eine Wissenschaft für sich. Während ein 38-cm-Schwert die Säge extrem handlich für Entastungsarbeiten macht, bietet ein 50-cm-Schwert die nötige Reichweite für das Fällen mittelstarker Bestände.

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Kettengeschwindigkeit. Die 570er erreicht eine hohe Umfangsgeschwindigkeit, was saubere Schnittflächen ermöglicht. Das ist besonders wichtig, wenn das Holz später als Wertholz verkauft werden soll. Ein sauberer Schnitt verhindert das Aufreißen von Fasern und reduziert die Nachbearbeitung. Die Ölpumpe der Maschine ist einstellbar, was ein großer Vorteil ist. Je nach Holzart und Schienenlänge kann man die Fördermenge regulieren – mehr Öl bei langem Schwert und trockenem Hartholz, weniger bei kurzen Schienen und sauberen Nadelhölzern. Das schont den Geldbeutel und die Umwelt.

Bei der Kette sollte man keine Kompromisse eingehen. Eine Husqvarna 570 verdient eine hochwertige Vollmeißelkette für maximale Performance. Diese Ketten graben sich förmlich in das Holz, erfordern aber ein sicheres Händchen bei der Handhabung, da sie eine höhere Rückschlagneigung haben als Halbmeißelketten. Die Kettenbremse der 570 reagiert im Falle eines Kickbacks blitzschnell, entweder mechanisch durch den Handschutz oder durch die Trägheitsauslösung. Dieses Sicherheitssystem ist die letzte Verteidigungslinie zwischen einer kraftvollen Maschine und dem Anwender und funktioniert bei Husqvarna seit Jahrzehnten absolut zuverlässig.

Husqvarna 570 im Vergleich: Warum sie ein Klassiker bleibt

In der heutigen Welt der „Smart-Sägen“ wie der Husqvarna 572 XP oder der Stihl MS 462 könnte man meinen, die 570er sei veraltet. Doch genau hier liegt der Denkfehler. Während moderne Sägen durch AutoTune™ den Vergaser elektronisch regeln, bietet die 570er mechanische Ehrlichkeit. Für viele Anwender in abgelegenen Regionen oder für Gelegenheitsnutzer, die ihre Maschine selbst warten wollen, ist die Abwesenheit von Elektronik ein Verkaufsargument. Es gibt keine Sensoren, die ausfallen können, und kein Steuergerät, das bei extremer Kälte oder Feuchtigkeit streikt.

Vergleicht man die 570 mit ihrer kleineren Schwester, der 560 XP, fällt auf, dass die 570 etwas schwerer und bulliger ist. Doch dieses Mehrgewicht bringt eine enorme Stabilität mit sich. In starken Stämmen liegt sie ruhiger und neigt weniger zum „Tanzen“. Sie ist eher die Säge für das Grobe, während die 560 XP das chirurgische Skalpell für das schnelle Entasten ist. Wer eine Universalsäge sucht, die auch vor dem Fällen einer 80-jährigen Buche nicht kapituliert, findet in der 570 den treueren Begleiter. Sie verzeiht Bedienfehler eher als hochgezüchtete Rennmaschinen, die bei falscher Gemischeinstellung sofort mit Kolbenfressern reagieren.

Ein weiterer Punkt ist die Ersatzteilversorgung. Da die Husqvarna 570 über einen langen Zeitraum produziert wurde und viele Komponenten mit anderen Modellen der 500er Serie teilt, ist der Markt für Ersatzteile riesig. Ob original oder hochwertiger Nachbau – man bekommt alles, um diese Säge über Jahrzehnte am Leben zu erhalten. Das macht sie zu einer exzellenten Investition auf dem Gebrauchtmarkt. Eine gut gepflegte 570er behält ihren Wert und ist oft nach Jahren des Gebrauchs noch für einen guten Preis zu verkaufen. Nachhaltigkeit bedeutet im Forst eben auch, eine Maschine so lange wie möglich produktiv zu halten.

Sicherheit und Verantwortung im Umgang mit 5 PS

Man darf nie vergessen: Die Husqvarna 570 ist kein Spielzeug. Wenn 4,9 PS auf eine messerscharfe Kette treffen, die mit über 20 Metern pro Sekunde rotiert, ist höchste Vorsicht geboten. Die Maschine verfügt über alle modernen Sicherheitseinrichtungen wie den Kettenfangbolzen, der eine reißende Kette abfängt, und die Gashebelsperre, die ein unbeabsichtigtes Gasgeben verhindert. Doch die wichtigste Sicherheitseinrichtung steht hinter der Säge. Ohne entsprechende Schutzkleidung – Schnittschutzhose, Forsthelm mit Visier und Gehörschutz sowie Schnittschutzstiefel – sollte dieses Kraftpaket nicht einmal gestartet werden.

Ein spezielles Feature der 570 ist der kombinierte Choke-/Stopp-Schalter, der das Risiko eines „Absaufens“ des Motors verringert. Ein Motor, der zuverlässig startet, reduziert den Stress des Anwenders. Stress ist eine der häufigsten Ursachen für Unfälle im Wald. Zudem ist die Säge so konstruiert, dass sie einen sehr effektiven Handschutz bietet. Sollte die Säge beim Schneiden hochschlagen, wird die Kettenbremse fast instinktiv durch das linke Handgelenk ausgelöst. Es ist dieses Vertrauen in die Technik, das es dem Profi erlaubt, sich voll und ganz auf das Fallkerb und die Bruchleiste zu konzentrieren.

Abschließend ist auch die Schulung ein Thema. Wer eine Säge dieser Leistungsklasse führt, sollte einen entsprechenden Motorsägenlehrgang absolviert haben. Die Husqvarna 570 verlangt nach einer sicheren Führung und einem Verständnis für die physikalischen Kräfte, die beim Schnitt wirken. Wenn man jedoch weiß, was man tut, wird die Arbeit mit dieser Maschine zu einem fast meditativen Prozess aus Kraft und Präzision. Man spürt, wie die Säge arbeitet, hört auf die Nuancen des Motorsounds und wird eins mit dem Werkzeug. Das ist das Gefühl, das die 570 so legendär gemacht hat.

Am Ende des Tages, wenn die Säge zurück im Auto liegt und man auf die geleistete Arbeit blickt, erkennt man den Wert echter Qualität. Die Husqvarna 570 ist kein Produkt der Wegwerfgesellschaft; sie ist ein Statement für Langlebigkeit und schwedische Ingenieurskunst. Sie ist für diejenigen gedacht, die nicht nur Bäume schneiden, sondern den Wald verstehen und ein Werkzeug verlangen, das diese Leidenschaft teilt. Ob im professionellen Einschlag oder bei der anspruchsvollen Brennholzaufbereitung für den Eigenbedarf – wer einmal die Souveränität dieser Maschine erlebt hat, wird den orangefarbenen Blitz aus Huskvarna nicht mehr missen wollen. Es ist Zeit, die Kette zu feilen und sich auf den nächsten Einsatz vorzubereiten – der Wald wartet schon.

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