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Dolmar CC Super 117

Der markerschütternde Klang eines Zweitaktmotors, der sich durch die kühle Morgenluft frisst, ist für viele Waldarbeiter der Inbegriff von Produktivität. Doch wer einmal das Vergnügen hatte, eine Dolmar CC Super 117 zu starten, weiß, dass es hier nicht nur um Arbeit geht. Es geht um mechanische Perfektion aus einer Zeit, in der Kunststoff ein Fremdwort war und Ingenieurskunst noch in Kilogramm gemessen wurde. Diese Säge ist kein bloßes Werkzeug; sie ist ein donnerndes Monument der deutschen Industriegeschichte, das bis heute die Herzen von Sammlern und Forstenthusiasten höher schlagen lässt.

In den 1960er und 70er Jahren war die Forstarbeit ein brutales Geschäft. Wer damals im Wald überleben wollte, brauchte eine Maschine, die ebenso unnachgiebig war wie die Eichen, die sie fällte. Die Dolmar CC Super 117 trat in dieses Szenario mit einer Präsenz ein, die kaum zu ignorieren war. Mit ihrem markanten gelb-orangen Gehäuse und einer Bauweise, die für die Ewigkeit konzipiert schien, setzte sie Maßstäbe, an denen sich die Konkurrenz aus Schweden und dem Schwarzwald messen lassen musste. Es war die Ära, in der Dolmar aus Hamburg-Wandsbek die Welt der Motorsägen dominierte.

Wenn wir heute auf moderne, computergesteuerte Kettensägen blicken, wirken die alten Eisen wie Relikte aus einer versunkenen Welt. Doch die Faszination für die CC Super 117 ist nicht nur Nostalgie. Es ist die Wertschätzung für eine Maschine, die ohne Elektronik, ohne komplexe Sensoren und ohne Kompromisse auskam. Wer die Haube dieser Säge abnimmt, blickt direkt in das mechanische Herz der Nachkriegsmoderne. Hier zählt noch jeder Millimeter Hubraum, und jeder Zündfunke fühlt sich an wie ein kleiner Sieg über die Widerstände der Natur.

Die Geburtsstunde einer Legende: Die Ära der Dolmar CC-Serie

Um die Bedeutung der Dolmar CC Super 117 zu verstehen, muss man sich in die Mitte der 1960er Jahre zurückversetzen. Dolmar hatte mit der ursprünglichen CC-Serie bereits einen Volltreffer gelandet. Die Maschinen waren robust, zuverlässig und für den harten Dauereinsatz konzipiert. Doch der Markt verlangte nach mehr Leistung, ohne das grundlegende Design zu verändern, das sich bereits in tausenden Betriebsstunden bewährt hatte. So erblickte die Version „Super“ das Licht der Welt – eine Leistungssteigerung, die nicht nur auf dem Papier existierte, sondern im Holz spürbar war.

Die Entwicklung der CC-Serie markierte den Übergang von den schweren, unhandlichen Zweimannsägen hin zu leistungsstarken Einmann-Modellen, die dennoch genug Drehmoment besaßen, um auch stärkstes Stammholz zu bewältigen. Die Ingenieure in Hamburg setzten auf ein bewährtes Konzept: Ein robuster Einzylinder-Motor, eingebettet in ein Gehäuse aus Magnesiumguss. Diese Materialwahl war damals hochmodern und ermöglichte es, das Gewicht in einem Rahmen zu halten, der für einen kräftigen Forstarbeiter gerade noch handhabbar war. Die CC Super 117 war das Flaggschiff dieser Entwicklung und verkörperte den Stolz der deutschen Maschinenbaukunst.

Der Erfolg der CC-Serie war so durchschlagend, dass sie über Jahre hinweg fast unverändert produziert wurde. Während andere Hersteller begannen, mit Kunststoffteilen zu experimentieren, blieb Dolmar bei der massiven Bauweise. Das führte dazu, dass viele dieser Sägen heute, nach über 50 Jahren, immer noch funktionieren. Wenn man eine gut erhaltene CC Super 117 findet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie nach einer gründlichen Reinigung des Vergasers und frischem Kraftstoff sofort wieder anspringt. Diese Langlebigkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Philosophie, die Qualität über geplante Obsoleszenz stellte.

Das technische Kraftpaket: Motorleistung und Finesse

Das Herzstück der Dolmar CC Super 117 ist zweifellos ihr Hubraummonster. Mit etwa 80 bis 87 Kubikzentimetern – je nach spezifischer Ausführung und Baujahr – liefert dieser Motor ein Drehmoment, das modernen Sägen oft fehlt. Während heutige Maschinen auf extrem hohe Drehzahlen setzen, zieht die CC Super 117 ihre Kraft aus der schieren Masse und dem Hubweg. Wenn die Kette ins Holz greift, sinkt die Drehzahl kaum ab; die Säge frisst sich mit einer stoischen Gelassenheit durch den Stamm, die fast schon meditativ wirkt, wäre da nicht der ohrenbetäubende Lärm.

Ein entscheidender Faktor für die Zuverlässigkeit im Wald war der Tillotson-Vergaser. Dieses Bauteil war perfekt auf die Bedürfnisse der Waldarbeiter abgestimmt. Es ließ sich auch unter schwierigen Bedingungen – sei es bei klirrender Kälte im Winter oder bei drückender Hitze im Sommer – präzise justieren. Die Kühlung des Motors erfolgte über ein großzügig dimensioniertes Lüfterrad, das hinter dem Startergehäuse saß. Wer die Säge heute im Einsatz sieht, erkennt sofort die massiven Kühlrippen am Zylinder, die dafür sorgten, dass die Maschine auch im Akkordeinsatz nicht überhitzte. Es war Technik zum Anfassen, logisch aufgebaut und für den Nutzer nachvollziehbar.

Ein weiteres Detail, das die technische Finesse unterstreicht, ist die Ölpumpe. In einer Zeit, in der die automatische Kettenschmierung noch nicht bei jeder Säge Standard war, bot die CC Super 117 ein zuverlässiges System, das sicherstellte, dass die Führungsschiene stets optimal versorgt wurde. Das war essenziell, denn die CC Super wurde oft mit langen Schwertern von 50, 63 oder sogar noch mehr Zentimetern betrieben. Die Kraftübertragung erfolgte über eine robuste Fliehkraftkupplung, die so dimensioniert war, dass sie auch plötzliche Blockaden der Kette wegsteckte, ohne sofort Schaden zu nehmen. Jedes Bauteil an dieser Säge schreit nach Belastbarkeit.

Physische Präsenz: Ein Werkzeug für echte Profis

Man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Arbeit mit einer Dolmar CC Super 117 ist eine sportliche Höchstleistung. Mit einem Gewicht, das vollgetankt und mit Schiene locker die 12- oder 13-Kilogramm-Marke überschreitet, verlangt sie dem Bediener alles ab. Es gibt keine modernen Antivibrationssysteme, wie wir sie heute kennen. Die Vibrationen des gewaltigen Einzylinders werden fast ungefiltert an die Hände und Arme weitergegeben. Nach einem Tag im Wald mit dieser Maschine wusste man genau, was man getan hatte – die sogenannten „weißen Finger“ waren damals eine reale Berufskrankheit unter Forstarbeitern.

Die Ergonomie der Säge folgt einer klaren Funktion. Die Griffe sind massiv und bieten genug Platz für dicke Handschuhe. Es gibt keinen sanften Anlasser oder elektronische Starthilfen. Wer die CC Super 117 zum Leben erwecken will, muss ordentlich am Starterseil ziehen. Es erfordert Technik und Kraft, den Kompressionswiderstand des großen Kolbens zu überwinden. Doch wenn der Motor erst einmal hustet und dann in ein stabiles Standgas verfällt, wird man mit einem Gefühl von purer Macht belohnt. Man spürt die Energie, die in diesem Metallklumpen schlummert, schon bevor die Kette den ersten Span abhebt.

In der heutigen Zeit, in der Arbeitssicherheit und Ergonomie an erster Stelle stehen, wirkt die CC Super 117 wie ein gefährliches Relikt. Es gibt keine Kettenbremse im modernen Sinne. Die Sicherheit lag damals allein in den Händen des Bedieners. Das erforderte ein hohes Maß an Konzentration und Respekt vor der Maschine. Wer mit einer solchen Säge arbeitet, entwickelt eine ganz andere Beziehung zum Werkzeug. Man hört auf jede Nuance des Motors, man spürt den Gegendruck des Holzes viel intensiver. Es ist ein ehrliches Handwerk, das keinen Raum für Fehler lässt, aber dafür eine tiefe Befriedigung bietet, wenn der Baum exakt dort landet, wo er hin soll.

Wartung und Langlebigkeit: Die Unzerstörbarkeit des Hamburger Eisens

Der Grund, warum wir heute überhaupt noch über die Dolmar CC Super 117 schreiben, liegt in ihrer unglaublichen Substanz. Während moderne Sägen oft nach wenigen Jahren intensiver Nutzung reif für den Schrottplatz sind, ist die CC Super 117 für Generationen gebaut. Das Gehäuse aus Magnesiumdruckguss ist nahezu unverwüstlich, solange man es nicht extremer Korrosion aussetzt. Viele dieser Sägen haben Jahrzehnte in feuchten Scheunen oder Kellern überdauert und benötigen lediglich eine gründliche Reinigung, um wieder in altem Glanz zu erstrahlen. Die Einfachheit der Konstruktion macht sie zum idealen Objekt für Schrauber und Restauratoren.

Die Ersatzteilsituation ist ein zweischneidiges Schwert. Da Dolmar die Produktion dieser Serie schon vor langer Zeit eingestellt hat, sind Neuteile (New Old Stock) selten und teuer geworden. Doch dank der enormen Verbreitung der Säge gibt es einen florierenden Markt für Gebrauchtteile. Zudem sind viele Verschleißteile wie Zündkerzen, Filter oder Membranen für den Vergaser Standardbauteile, die man auch heute noch problemlos beziehen kann. Wer bereit ist, sich ein wenig in die Materie einzufuchsen, kann eine CC Super 117 mit relativ geringem finanziellen Aufwand am Laufen halten. Es ist die Freude am Erhalt eines Kulturguts, die viele Besitzer antreibt.

Bei der Restaurierung einer solchen Säge lernt man viel über die Prioritäten der damaligen Zeit. Alles ist großzügig dimensioniert. Die Schrauben sind stabil, die Gewinde halten auch nach mehrmaligem Öffnen. Es gibt keine versteckten Plastikclips, die beim ersten Versuch abbrechen. Ein Satz hochwertiger Maulschlüssel und Schraubendreher genügt meist, um die gesamte Maschine zu zerlegen. Diese Reparaturfreundlichkeit war im Wald lebensnotwendig, denn oft musste der Arbeiter kleine Mängel direkt vor Ort beheben, um den Tag nicht zu verlieren. Die CC Super 117 war ein treuer Partner, der einen selten im Stich ließ, solange man ihm ein Minimum an Pflege zukommen ließ.

Der Sammlermarkt: Wertanlage mit Suchtpotenzial

In den letzten Jahren hat sich um alte Kettensägen eine leidenschaftliche Sammlerszene entwickelt, und die Dolmar CC Super 117 steht ganz oben auf der Wunschliste vieler Enthusiasten. Es ist nicht nur die Technik, sondern auch die Ästhetik, die besticht. Das Industriedesign der 60er Jahre hat einen ganz eigenen Charme. Eine frisch restaurierte CC Super 117 mit ihrem leuchtenden Lack und den polierten Metallteilen ist ein Blickfang in jeder Werkstatt. Sie verkörpert eine Zeit des Aufbruchs und des unerschütterlichen Glaubens an den technischen Fortschritt.

Der Wert dieser Maschinen ist stetig gestiegen. Während man vor zehn Jahren noch ein Schnäppchen auf dem Flohmarkt oder bei einer Haushaltsauflösung machen konnte, wissen die Verkäufer heute oft sehr genau, was sie da haben. Besonders die „Super“-Modelle erzielen Spitzenpreise, da sie seltener sind als die Standard-CC. Sammler achten dabei penibel auf Originalität. Ein unverbastelter Zustand mit dem originalen Typenschild und der korrekten Lackierung ist für den Marktwert entscheidend. Es ist wie bei Oldtimer-Autos: Patina ist erlaubt und oft sogar erwünscht, solange die technische Substanz stimmt.

Für viele ist der Besitz einer solchen Säge auch ein Stück Identität. Es geht darum, ein Werkzeug zu besitzen, das eine Geschichte erzählt. Wenn man die Seriennummer zurückverfolgt oder die alten Logos betrachtet, spürt man den Geist der Hamburger Fabrik. Es ist ein Investment, das man anfassen kann. Im Gegensatz zu digitalen Werten oder Aktien hat man hier etwas Reales, etwas, das Kraft ausstrahlt. Und sollte es hart auf hart kommen, könnte man mit dieser Wertanlage immer noch einen Baum fällen – versuchen Sie das mal mit einem Bitcoin.

Dolmar gegen den Rest der Welt: Der ewige Konkurrenzkampf

Man kann nicht über Dolmar sprechen, ohne die Konkurrenz zu erwähnen. Der Zweikampf zwischen Dolmar und Stihl prägte jahrzehntelang die Forstwirtschaft. Während Stihl oft als der innovative Technologieführer galt, war Dolmar der Fels in der Brandung – solide, ehrlich und oft einen Tick kräftiger im unteren Drehzahlbereich. Die CC Super 117 musste sich gegen Giganten wie die Stihl 07 oder die 08 S behaupten. Dieser Wettbewerb führte zu einer rasanten Entwicklung der Motorsägentechnik, von der die Waldarbeiter weltweit profitierten.

In den Wäldern Deutschlands gab es oft zwei Lager: Die „Gelben“ und die „Orangen“. Wer einmal auf Dolmar eingeschworen war, blieb der Marke meist treu. Das lag auch an dem hervorragenden Händlernetz und der Tatsache, dass Dolmar-Sägen als besonders wartungsfreundlich galten. Die CC Super 117 war das Argument, mit dem Dolmar-Fans jeden Vergleich für sich entschieden. „Schau dir den Hubraum an“, hieß es dann oft, wenn die Konkurrenz mit neuen Features warb. Die schiere Hubraumgröße war das ultimative Statussymbol im Forst.

Heute ist dieser Konkurrenzkampf Geschichte, da Dolmar nach der Übernahme durch Makita als eigenständige Marke für Benzinmotoren leider vom Markt verschwunden ist. Das macht die existierenden Maschinen wie die CC Super 117 nur noch wertvoller. Sie sind die letzten Zeugen einer Ära, in der deutsche Marken weltweit den Ton angaben und Qualität keine Marketingphrase war, sondern ein Versprechen. Wer heute eine CC Super 117 besitzt, bewahrt ein Stück dieser glorreichen Ära und hält die Erinnerung an eine Zeit wach, in der Hamburg das Zentrum der Motorsägenwelt war.

Wenn man heute vor einem alten Baumstamm steht und das Gewicht einer Dolmar CC Super 117 in den Händen spürt, dann ist das mehr als nur Vorbereitung auf die Arbeit. Es ist eine Zeitreise. Man spürt den Respekt vor den Männern, die Tag für Tag mit diesen Ungetümen in den Wald zogen, ohne Gehörschutz, ohne Schnittschutzhose, nur mit ihrem Können und ihrer Kraft. Die CC Super 117 erinnert uns daran, dass echte Stärke keine Elektronik braucht und dass manche Dinge so gut konstruiert sind, dass sie niemals wirklich alt werden. Sie ist und bleibt eine Königin des Waldes, deren Thron aus Stahl und Magnesium gegossen wurde.

Vielleicht ist es gerade diese Unbeugsamkeit, die uns in einer immer flüchtigeren Welt so fasziniert. Ein Werkzeug, das nicht nach einem Software-Update verlangt, sondern nach Öl und Schweiß. Die Dolmar CC Super 117 wird auch in fünfzig Jahren noch einen Zündfunken erzeugen, wenn man sie lässt. Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die uns dieses Hamburger Eisen lehrt: Wahre Qualität ist zeitlos, laut und hinterlässt verdammt viele Späne.

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